ISF-Forscher lauschen Mäusen

Seit einigen Jahren unterstützen Peter Balazs und Anton Noll das Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die Biologen Sarah Zala und Dustin Penn wandten sich 2013 an die Schallforscher, weil sie die Lautkommunikation von wildlebenden Mäusen aufnehmen und qualitativ auswerten wollten. Mäuse geben Laute (auch) in für uns unhörbaren Ultraschal-Bereich von sich. Mit dem seit 1986 selbst entwickelten Programm S-TOOLS-Stx, eine unter Windows laufende Anwendung zur Analyse und Verarbeitung von akustischen Signalen und Sprache, konnten die Schallforscher die Mäuseaufnahmen durch Herabsetzung der Tonhöhe und Frequenz für Menschen hörbar machen. Sie ähneln stark dem Vogelgesang.

Die große Herausforderung war es die einzelnen Äußerungen des Mausgesänge im großen aufgenommen Datenmaterial aufzufinden. Oft mussten BiologInnen das Material anhören, die Zeit-Frequenz Analysen anhören und die Segmentierung händisch machen. Oder eine kommerzielle Software verwenden, die nicht immer befriedigende Ergebnisse lieferte. Durch die gemeinsame Entwicklung von "Automatic mouse ultrasound detector (A-MUD)" konnte das nun durch S-TOOLS-Stx durchgeführt werden. Das Programm konnte eine Fehlerrate liefern, die etwa der händischen Segmentierung entspricht, und insbesondere die Rate der falschen Detektion ('false positives') im Vergleich zu der kommerziellen Software deutlich mindern.

Die Methode sowie die Anwendung auf die Fragestellung der Abhängigkeit der Äußerungen vom Geschlecht der Maus veröffentlichten die Forscher kürzlich im renommierten Journal "Plos One". Entgegen bisheriger Annahmen singen beide Mäusegeschlechter bei der Paarung. Und sie stimmen ihre Laute offenbar auf den jeweiligen Zuhörer ab. Während sie gegenüber dem gleichen Geschlecht in relativ tiefer Tonlage kommunizieren, heben Sie bei bzw. vor der Paarung Ihre Stimme und rufen ihr gesamtes Repertoire inklusive musikalischer Silben und Phrasen ab.

  • S. M. Zala, D. Reitschmidt, A. Noll, P. Balazs, D. J. Penn, "Automatic mouse ultrasound detector (A-MUD): A new tool for processing rodent vocalizations", PLOS ONE, DOI (2017)
  • S. M. Zala, D. Reitschmidt, A. Noll, P. Balazs, D. J. Penn, "Sex-Dependent Modulation of Ultrasonic Vocalizations in House Mice (Mus musculus musculus)", PLOS ONE, DOI (2017)


Siehe auch:
https://science.apa.at/rubrik/natur_und_technik/Maeuse_passen_Stimme_dem_Gespraechspartner_an/SCI_20171213_SCI39391351439651884