Pichler/ÖAW

Diesen April bewilligte der Wissenschaftsfonds FWF zum zweiten Mal sogenannte Zukunftskollegs (ZKs), in denen institutionsübergreifende Teams von jungen Wissenschafterinnen und Wissenschafter nach dem Doktorat interdisziplinäre Forschungsfragen auf innovative Weise bearbeiten. Mit insgesamt 8,6 Millionen Euro Fördervolumen wurden dieses Jahr vier von 22 begutachteten Anträgen gefördert. Das Team koordiniert durch Robert Baumgartner vom Institut für Schallforschung (ISF) der ÖAW konnte sich hier mit seinem Projekt Dynamates: „Dynamiken der auditiven Prädiktion in menschlichen und anderen Primaten“, behaupten.

Die innovative interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kognitionsbiologin Michelle Spierings , dem Neurowissenschaftler Ulrich Pomper, beide von der Universität Wien, und dem Psychoakustiker und Computermodellierer Robert Baumgartner vom Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) war neben der wissenschaftlichen Exzellenz des Forschungsantrags ausschlaggebend für die hochdotierte Anerkennung der international besetzen Auswahljury, deren Entscheidung sich zudem auf externe Fachgutachten stützte.

Mit dem Projekt Dynamates möchten die, auch akademisch gesehen, jungen Teammitglieder den Vorhersagemechanismen des Hörsinns von Menschen und nichtmenschlichen Primaten nachgehen, denn für beide sind sowohl zeitlich als örtlich präzise Vorhersagen überlebenswichtig, aber nur der Mensch hat eine einzigartig komplexe Sprache entwickelt.

„Unser Gehirn erzeugt bei externer Reizaufnahme ständig aktualisierte Vorhersagen über zukünftige Ereignisse um ein korrekteres und schnelleres Reagieren zu ermöglichen. So kann es beispielsweise essentiell sein, präzise bestimmen zu können, wo sich ein heranfahrendes Auto zu dem Zeitpunkt befinden wird, wenn wir die Straße überqueren wollen“, so Baumgartner.

Dabei sind die Sinnesinformationen oft mehrdeutig, sodass das Gehirn mehrere parallele Interpretationen und Vorhersagen erzeugt und sich letztlich auf eine festlegen muss. Unser bisheriges Wissen stammt größtenteils aus Studien, die den Sehsinn in den Fokus nahmen. Die Vorhersage- und Entscheidungsmechanismen des Hörsinns und deren evolutionäre Entwicklung gilt es im Rahmen des Projekts herauszufinden.

Presseaussendung des FWF